Reise-Impressionen

Georg, der im November 2025 und im Januar 2026 zusammen mit einem zweiten Fahrer Hilfsgüter an die rumänisch-ukrainische Grenze brachte, erzählt:

„Im November 2025 fragte mich eine alte Freundin, ob ich grundsätzlich bereit wäre, einen Transport von Hilfsgütern für die Ukraine von Wien nach Rădăuți an die rumänisch-ukrainische Grenze zu fahren. Da mich mit Rumänien einiges verbindet, ich aber das Land seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen hatte, sagte ich sofort zu. Außerdem bin ich Pensionist und da freut man sich doch auch, wenn man noch Nützliches zu leisten vermag. Ansonsten ließ ich die Sache auf sich beruhen und dachte nicht weiter daran, bis ich eines Tages eine telefonische Anfrage vom Verein HILFE UND HOFFNUNG erhielt, ob ich nicht in zwei Tagen als zweiter Fahrer für einen Transport einspringen könnte. Eingedenk meines Versprechens und die Vorhaltungen meiner Lebensgefährtin ignorierend, die da meinte, es wäre zumindest leichtsinnig, Güter die ich nicht kenne, für Menschen, die ich noch nie gesehen habe, über zwei Landesgrenzen zu transportieren, sagte ich sofort zu.

Neugierig stand ich am Tag X bereit, um mit Juha, einem netten Finnen, das Material an die rumänisch-ukrainische Grenze zu fahren. Da es auf diesem Weg über weite Strecken keine Autobahn gibt, man somit oft durchschnittlich nur 60 km/h fahren kann, ist das eine nicht zu unterschätzende Strecke. Juhas Schweigsamkeit und mein Hang zur Redseligkeit harmonierten gut und ich beschloss, dem Verein HILFE UND HOFFNUNG meine Dienste, falls benötigt, für weitere Fahrten anzubieten.

Mittlerweile habe ich schon einen zweiten Transport gefahren und einige Eindrücke von Rumänien gesammelt. Es hat sich seit den 90er Jahren sehr verändert. Als ich damals erstmalig die ungarisch-rumänische Grenze passierte, hatte ich den Eindruck, ein ziemlich gebeuteltes Land zu betreten. Kaputte Straßen, Bettler, zerfallende Industriegebäude, in den Städten ramponierte Fernwärmeleitungen, aus denen Dampf quoll sowie desolate Wohnblocks waren mein erster Eindruck. Eine starke Unzufriedenheit und Aggressivität der Menschen war überall spürbar. All das hat sich mittlerweile zum Besseren geändert, wenn auch natürlich noch viel zu tun ist und die Rumänen erfahren mussten, dass auch im neuen System nicht alles Gold ist, was glänzt.

Jetzt, bei meiner zweiten Tour, fuhr ich durch eine wunderschöne Schneelandschaft, vorbei an schön geschnitzten Holztoren. Der Anblick der hölzernen Kunstwerke war so imposant, dass mein Mitfahrer „Bitte anhalten!“ rief und aus dem Auto sprang, um Fotos zu machen. Die Holztore von Maramureș sind weltberühmt.
Auch am Kloster Bârsana führte unser Weg vorbei. Ein Teil des Klosters wurde nach dem Jahr 2000 neu errichtet, was als Zeichen für die große Bedeutung der orthodoxen Kirche in Rumänien gelten kann.

Danach ging es an einem schönen Skigebiet vorbei weiter nach Rădăuți, wo die Spendengüter übergeben wurden.

Kloster Bârsana

Deprimierend waren allerdings die Geschichten, die ich von Stephan und Tanja, die die Güter in Rădăuți übernahmen, zu hören bekam. Da war die Rede von Luftalarmen, von Gefallenengräbern, von Stromausfällen und von durch Raketen vernichteter Infrastruktur. Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht funktionierende Heizungssysteme im Winter für Alte, Kranke und Kinder durchaus lebensbedrohlich sind. In Rumänien hatte ich immerhin 1995 erlebt, welche Folgen ein nur teilweise funktionierendes Fernwärmenetz haben kann. Jedenfalls hörte ich von Dingen, die ich nur aus vagen Erzählungen meiner Eltern kannte und von denen ich in meiner Jugend hoffte, sie würden in Europa nie wieder passieren.

Nach einem leider kurzen Gespräch ging es wieder an die Heimreise. Auch jetzt sah ich wieder Zeichen, dass es den Menschen in Rumänien inzwischen doch besser geht als vor 30 Jahren. So geriet ich in einen kleinen Verkehrsstau, der entstanden war, da Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht hatten. So etwas hätte man 1995 wohl außer vor einer teuren Privatschule in Bukarest nirgendwo im Land zu sehen bekommen.

Insgesamt waren die zwei Transporte, die ich für den Verein HILFE UND HOFFNUNG durchführen konnte, für die Ukraine eine Hilfe und für mich eine schöne Erinnerung an vergangene Zeiten. Zumindest für mich waren diese Reisen eine Bestätigung dafür, dass das bedenkliche Image, das Rumänien in meiner Heimat Österreich großteils anhaftet, eigentlich nicht der Realität entspricht.“