{"id":721,"date":"2021-02-15T12:41:28","date_gmt":"2021-02-15T12:41:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/?p=721"},"modified":"2023-09-25T15:50:54","modified_gmt":"2023-09-25T15:50:54","slug":"steine-der-erinnerung-fur-die-familien-zaidmann-und-bohensky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/?p=721","title":{"rendered":"Steine der Erinnerung f\u00fcr die Familien Zaidmann und Bohensky"},"content":{"rendered":"\n<p>Herminengasse&nbsp;6, 1020 Wien&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alexander&nbsp;Zaidmann<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Irma&nbsp;&nbsp;Zaidmann<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Charlotte&nbsp;&nbsp;Zaidmann<\/strong>&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"971\" src=\"https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Zaidmann20210127_122058-2-1024x971.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-726\" srcset=\"https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Zaidmann20210127_122058-2-1024x971.jpg 1024w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Zaidmann20210127_122058-2-300x284.jpg 300w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Zaidmann20210127_122058-2-768x728.jpg 768w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Zaidmann20210127_122058-2-1536x1456.jpg 1536w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Zaidmann20210127_122058-2-2048x1941.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Im Dezember 2016 wurde hier \u00fcber unsere Besucher aus Amerika berichtet. Nach diesem ersten Wien-Besuch veranlasste die Tochter von im Jahr 1939 aus Wien emigrierten Juden Celia W. \u00fcber den Verein \u201eSteine der Erinnerung\u201c 2018 die Anbringung einer Erinnerungstafel an der letzten Adresse ihrer Verwandten m\u00fctterlicherseits. Celias Gro\u00dfmutter Irma&nbsp;Zaidmann&nbsp;wurde zusammen mit ihrer Tochter Charlotte am 28. Oktober1941 von der&nbsp;Herminengasse&nbsp;6 aus nach Lodz, Polen deportiert und in der Schoah ermordet.&nbsp; Celias Gro\u00dfvater Alexander&nbsp;Zaidmann&nbsp;gelang 1938 die Flucht nach Rum\u00e4nien. Er wurde allerdings einige Monate nach seiner Flucht aus Wien am 28. Februar 1939 in&nbsp;Kishinev&nbsp;ermordet. Celias Mutter Martha&nbsp;Zaidmann&nbsp;konnte mit Hilfe der humanit\u00e4ren Rettungsaktion KINDERTRANSPORT nach England entkommen und \u00fcberlebte so die Schoah. W\u00e4hrend des Weges der Erinnerung durch die Leopoldstadt am 27. Mai 2018 wurde an das Haus&nbsp;Herminengasse&nbsp;6 eine Gedenktafel f\u00fcr Celias Gro\u00dfeltern Irma und Alexander&nbsp;Zaidmann&nbsp;sowie f\u00fcr deren Tochter Charlotte&nbsp;Zaidmann, Celias Tante, angelehnt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Die Tafel konnte vor der Einweihungszeremonie nicht angebracht werden, da das Einverst\u00e4ndnis der mehr als drei\u00dfig Hauseigent\u00fcmer fehlte. Da irrt\u00fcmlich kommuniziert worden war, dass die Hauseigent\u00fcmer mit der Anbringung einer Gedenktafel neben dem Eingang einverstanden w\u00e4ren, wurde eine Tafel statt eines Erinnerungssteins angefertigt (ein Erinnerungsstein wird \u00fcblicherweise in den Gehsteig vor dem Haus eingelassen, wozu lediglich das Einverst\u00e4ndnis der Stadt Wien n\u00f6tig ist). Zwei Besitzer einer Eigentumswohnung im Haus&nbsp;Herminengasse&nbsp;6 gingen beim Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt mit und versicherten den Repr\u00e4sentanten von &#8220;Steine der Erinnerung&#8221; und mir, dass sie sicher w\u00e4ren, dass bei der n\u00e4chsten Hauseigent\u00fcmerversammlung das Einverst\u00e4ndnis gegeben w\u00fcrde. Sie pers\u00f6nlich seien jedenfalls daf\u00fcr, dass die Gedenktafel neben dem Eingang angebracht wird. Leider kam es bei der Hauseigent\u00fcmerversammlung zu keiner Einigung. Der Verein \u201eSteine der Erinnerung\u201c versuchte weiterhin das Einverst\u00e4ndnis aller Hauseigent\u00fcmer einzuholen &#8211; vergebens.&nbsp;&nbsp;Schlie\u00dflich begann ich diesbez\u00fcglich eine Umfrage unter den Wohnungseigent\u00fcmern und traf auf eine junge Frau, die mein Anliegen an ihre Eltern, die im Haus eine Eigentumswohnung besitzen, weiterleitete. Die Antwort ihres Vaters, die ich einige Tage sp\u00e4ter per&nbsp;E-Mail&nbsp;erhielt, machte mich betroffen:&nbsp;<em>\u201eEs kam zu einer anonymen Abstimmung, die ergab, dass nicht alle Wohnungseigent\u00fcmer mit der Anbringung einer Gedenktafel einverstanden sind. Die Anonymit\u00e4t der Abstimmenden ist zu respektieren.\u201c<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Wie sollte ich das Celia erkl\u00e4ren? Ihre Verwandten wurden aus dem Haus in der&nbsp;Herminengasse&nbsp;6 weggebracht und in der Schoah ermordet. Sie haben nirgendwo ein Grab, das Celia besuchen k\u00f6nnte, um ihrer Trauer Raum zu geben. Und an dieser letzten bekannten Adresse von Celias Verwandten in Wien wird die Anbringung einer Gedenktafel ohne Angabe von Gr\u00fcnden und anonym abgelehnt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Um Worte ringend zog ich schlie\u00dflich den Vergleich zu Oskar Schindlers Geburtshaus, dessen heutiger Besitzer ebenfalls die Anbringung einer Gedenktafel ablehnt. Es ist allerdings anzunehmen, dass es hier andere und konkretere Gr\u00fcnde gibt. Das ehemalige Schindler-Haus in\u00a0Svitavy, Tschechien wurde aufgrund der\u00a0Benes\u00a0Dekrete bei der Vertreibung der Sudetendeutschen aus der damaligen Tschechoslowakei enteignet. Laut Karl Schwarzenberg, ehemals Au\u00dfenminister der Tschechischen Republik,\u00a0<em>&#8220;w\u00fcrden die\u00a0Benes\u00a0Dekrete heute als grobe Verletzung der Menschenrechte gelten und die damalige tschechische Regierung m\u00fcsste sich nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben wohl vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten.&#8221;<\/em> <a href=\"http:\/\/www.demokratiezentrum.org\/wissen\/timelines\/benes-dekrete.html?type=98\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.demokratiezentrum.org\/wissen\/timelines\/benes-dekrete.html?type=98<\/a>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">N\u00e4heres zu Oskar Schindlers Lebensgeschichte und seiner Fabrik in\u00a0Brnenec\/Br\u00fcnnlitz (heute Tschechien), wo er 1200 Juden vor der Mordmaschinerie der Nationalsozialisten rettete, gibt es in Werner M\u00fcllers Filmdokumentation \u201eOskar Schindlers schwieriges Erbe \u2013 die Fabrik in\u00a0Brnenec\/Br\u00fcnnlitz\u201c zu sehen, die parallel zu meiner Masterarbeit entstand:\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><a href=\"https:\/\/tvthek.orf.at\/history\/Beginn-Verlauf-Auswirkungen\/13557936\/Oskar-Schindlers-schwieriges-Erbe\/14020911\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/tvthek.orf.at\/history\/Beginn-Verlauf-Auswirkungen\/13557936\/Oskar-Schindlers-schwieriges-Erbe\/14020911<\/a>.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Schlie\u00dflich entschied der Verein \u201eSteine der Erinnerung\u201c einen Gedenkstein anzufertigen und vor dem Haus&nbsp;Herminengasse&nbsp;6 in den Gehsteig einzulassen. Die nicht verwendete Gedenktafel wird Celia bei ihrem n\u00e4chsten Wien-Besuch nach Amerika mitnehmen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Max-Winter-Platz 20, 1020 Wien&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><\/strong><strong>Samuel&nbsp;Bohensky<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cilli&nbsp;Bohensky<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anna&nbsp;Bohensky<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-725\" srcset=\"https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1-100x100.jpg 100w, https:\/\/www.hilfeundhoffnung.at\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bohensky20201004_105908-1.jpg 1329w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Celia plante zur Einweihung des Erinnerungssteins f\u00fcr die Familie ihres Vaters Siegfried&nbsp;Bohensky&nbsp;nach Wien zu kommen. Wegen der Corona-bedingten Reisebeschr\u00e4nkungen konnte sie am 4. Oktober 2020 allerdings nicht dabei sein, als der 14. Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt stattfand. Celia bat mich, die von ihr zusammengestellten Gedenkworte zu sprechen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Celia hatte beschlossen, den Gedenkstein vor jenem Haus anbringen zu lassen, in dem ihr Vater mit seiner Familie eine gl\u00fcckliche Kindheit verbrachte (Max-Winter-Platz 20, damals Sterneckplatz 20) und nicht vor jenem Haus, das der Ausgangspunkt der Deportation der Familie&nbsp;Bohensky&nbsp;war. Kurz vor der Deportation, der der damals 14-j\u00e4hrige Siegfried&nbsp;Bohensky&nbsp;durch eine Ausreise nach England entkommen konnte, wurde die Familie in eine beengte Sammelwohnung in der N\u00e4he der&nbsp;Herminengasse&nbsp;6 gebracht, wo Celias Mutter bereits mit ihrer Familie in einer Sammelwohnung lebte. Celias Eltern lernten sich als Jugendliche in dieser schwierigen Zeit in der Umgebung der&nbsp;Herminengasse&nbsp;kennen und trafen sich sp\u00e4ter auf wundersame Weise in der Emigration wieder.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Der Weg der Erinnerung begann mit einer Zeremonie am Max-Winter-Platz. Die Bezirksvorsteherin war anwesend und er\u00f6ffnete mit einer bemerkenswerten Ansprache den Gedenkweg durch die Leopoldstadt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Der Erinnerungsstein f\u00fcr die Familie&nbsp;Bohensky&nbsp;war der erste Stein, der auf dem 14. Weg der Erinnerung durch die Leopoldstadt eingeweiht wurde. Ich begann Celias Gedenkworte, die eine umfassende Geschichte ihrer Familie v\u00e4terlicherseits schildern, zu verlesen. Die Einweihung wurde videoaufgezeichnet und an Celia \u00fcbermittelt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Da ich den betr\u00e4chtlichen Umfang der Gedenkworte kannte, bem\u00fchte ich mich relativ z\u00fcgig zu lesen. Die Bedeutung der Worte ging mir allerdings nahe und erschwerte einen emotionsneutralen, raschen Vortrag.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Hier einige Zitate samt&nbsp;\u00dcbersetzung:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\"><em>Before&nbsp;he&nbsp;left&nbsp;my&nbsp;father&nbsp;Siegfried&nbsp;gave&nbsp;his&nbsp;Bar&nbsp;Mitzvah&nbsp;signet&nbsp;ring&nbsp;to&nbsp;his&nbsp;family&nbsp;for&nbsp;them&nbsp;to&nbsp;sell&nbsp;so&nbsp;that&nbsp;they&nbsp;could&nbsp;buy&nbsp;food. He&nbsp;said&nbsp;goodbye&nbsp;to&nbsp;his&nbsp;father&nbsp;Samuel,&nbsp;mother&nbsp;Cilli and&nbsp;sister&nbsp;Anna on August 1, 1939, a&nbsp;day&nbsp;before&nbsp;his&nbsp;15th&nbsp;birthday. He&nbsp;never&nbsp;saw&nbsp;them&nbsp;again.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">\u00dcBERSETZUNG:&nbsp;<em>Bevor mein Vater wegfuhr, gab er seiner Familie seinen Bar Mitzwa-Siegelring,&nbsp;damit sie ihn verkaufen und mit dem Erl\u00f6s Lebensmittel einkaufen konnten. Am 1. August 1939 sagte er seinem Vater Samuel, seiner Mutter Cilli und seiner Schwester Anna Lebewohl. Es war der Tag vor seinem 15. Geburtstag. Er sah sie nie wieder.&nbsp;<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Als ich beim Lesen zu jener Passage kam, in der Celia schildert, dass ihrem Vater Siegfried&nbsp;Bohensky&nbsp;beinahe die Rettung seiner Eltern und seiner Schwester aus Wien gelungen w\u00e4re, k\u00e4mpfte ich mit den Tr\u00e4nen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>On board the train to Exmouth, Siegfried sat across a man who noticed this sad, lonely, terrified young man. The man tried to speak in English to him but realized that my father spoke German. The man was a government official from the British foreign office who spoke German. Siegfried told this government official about his circumstances and his family still in Vienna and the man promised to try to get Siegfried&#8217;s parents and sister to England. The government official kept his word and started to send the necessary documents to Siegfried&#8217;s family in Vienna. But it was too late. On September 3, 1939 the United Kingdom declared war on Germany and the Bohensky family was not allowed to leave. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">\u00dcBERSETZUNG:<em>&nbsp;Im Zug nach&nbsp;Exmouth&nbsp;sa\u00df Siegfried einem Mann gegen\u00fcber, der den traurigen, einsamen und erschrockenen jungen Burschen bemerkte. Der Mann versuchte mit ihm Englisch zu sprechen, erkannte dann allerdings, dass mein Vater Deutsch sprach. Dieser Mann war ein Regierungsbeamter des britischen Au\u00dfenministeriums, der die deutsche Sprache beherrschte. Siegfried schilderte diesem Regierungsbeamten seine Lebensumst\u00e4nde und dass seine Familie noch in Wien war. Der Mann versprach, Siegfrieds Eltern und Schwester nach England zu holen. Der Regierungsbeamte hielt sein Versprechen und begann die n\u00f6tigen Dokumente an Siegfrieds Familie in Wien zu senden. Es war allerdings zu sp\u00e4t. Am 3. September 1939 erkl\u00e4rte das Vereinigte&nbsp;K\u00f6nigreich&nbsp;Nazi-Deutschland den Krieg und die Familie&nbsp;Bohensky&nbsp;durfte nicht mehr emigrieren.&nbsp;<\/em>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Die Ausreise nach England, mit dem sich Nazi-Deutschland nun im Krieg befand, war nicht mehr m\u00f6glich. Die Rettung kam zu sp\u00e4t. Die Familie&nbsp;Bohensky&nbsp;wurde in das in der j\u00fcdischen Schule in der Castellezgasse 35 eingerichtete Sammellager gebracht und am 15. Februar 1941 zusammen mit 996 j\u00fcdischen \u00d6sterreicherinnen und \u00d6sterreichern auf offenen Lastwagen zum Aspangbahnhof gefahren und von dort nach Opole, einer kleinen polnischen Landstadt, die nicht auf die Aufnahme vieler Menschen vorbereitet war, deportiert. Nicht einmal 30 von ihnen sollten \u00fcberleben. Es war der erste von insgesamt f\u00fcnf Transporten, mit denen im Februar und M\u00e4rz 1941 rund 5000 J\u00fcdinnen und Juden in polnische Kleinst\u00e4dte im damaligen Generalgouvernement deportiert wurden. Die verschleppten Wiener J\u00fcdinnen und Juden wurden notd\u00fcrftig in \u00e4rmlichen Behausungen untergebracht und durften sich innerhalb des Ortes Opole frei bewegen, diesen aber nicht verlassen. Sie wurden unzul\u00e4nglich mit Lebensmittel versorgt und zur Zwangsarbeit eingesetzt. Die meisten der im Fr\u00fchjahr 1941 aus Wien Deportierten wurden im Fr\u00fchsommer 1942 gemeinsam mit polnischen J\u00fcdinnen und Juden in den Vernichtungslagern Belzec, Sobibor oder Treblinka ermordet (siehe <a href=\"https:\/\/science.orf.at\/v2\/stories\/2805170\/\">Letzte Orte vor der Deportation &#8211; science.ORF.at<\/a>).<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Der Erinnerungsstein im Gehsteig vor dem Haus am Max-Winter-Platz 20 ist gewisserma\u00dfen der Grabstein der Familie&nbsp;Bohensky, der nahezu acht Jahrzehnte nach deren Deportation und darauffolgenden Ermordung von der Enkelin von Samuel und Cilli&nbsp;Bohensky&nbsp;sowie der Nichte von Anna&nbsp;Bohensky&nbsp;initiiert, finanziert und schlie\u00dflich vom Verein \u201cSteine der Erinnerung\u201d hergestellt und in den Gehsteig neben dem Hauseingang eingelassen wurde. Die Einweihungsfeier des Erinnerungssteins war gleichsam die Trauerfeier f\u00fcr&nbsp;die in&nbsp;der Schoah ermordete Familie&nbsp;Bohensky. Nicht nur ich k\u00e4mpfte beim Verlesen der ber\u00fchrenden Gedenkworte mit den Tr\u00e4nen. Celia und ihre Familienangeh\u00f6rigen, die&nbsp;der Gedenkfeier&nbsp;am Max-Winter-Platz 20&nbsp;via Videoaufzeichnung in&nbsp;ihrem Haus in Kalifornien beiwohnten, konnten ihre Tr\u00e4nen nicht zur\u00fcckhalten. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-justify\">Sobald es wieder m\u00f6glich ist, von Amerika nach \u00d6sterreich zu reisen, m\u00f6chte Celia mit ihrem Ehemann Allen noch einmal nach Wien kommen. Es wird mir ein Vorrecht sein, sie diesmal an jene Orte in Wien zu f\u00fchren, die im Besonderen&nbsp;an Celias Herkunftsfamilien Zaidmann und Bohensky erinnern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Elisabeth Baumegger (15. Februar 2021)<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Herminengasse&nbsp;6, 1020 Wien&nbsp; Alexander&nbsp;Zaidmann&nbsp; Irma&nbsp;&nbsp;Zaidmann&nbsp; Charlotte&nbsp;&nbsp;Zaidmann&nbsp; Im Dezember 2016 wurde hier \u00fcber unsere Besucher aus Amerika berichtet. Nach diesem ersten Wien-Besuch veranlasste die Tochter von im Jahr 1939 aus Wien emigrierten Juden Celia W. \u00fcber den Verein \u201eSteine der Erinnerung\u201c 2018 die Anbringung einer Erinnerungstafel an der letzten Adresse ihrer Verwandten m\u00fctterlicherseits. 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